Am Schilde 19

Was heute aussieht wie ein modernes Gegenstück zu dem spätmittelalterlichen Fachwerkbau mit Toreinfahrt als direkter Nachbar, entpuppt sich in Wirklichkeit als ein Gebäude mit zwei „Doppelhaushälften“. Genauer: Ursprünglich bildet Nr. 19 zusammen mit Nr. 17 ein einziges Baugrundstück, wohl bereits seit den 1530er Jahren. Spätestens nach dem Stadtbrand 1545 wird es 1556 gleichzeitig mit zwei Häusern von Hans Niemeier neu bebaut. Wohl gegen 1589 ist ein C. Dortmunden der letzte, der Nr. 17 und Nr. 19 gemeinsam besitzt/bewohnt. – Auf jeden Fall ist Nr. 19 seinerzeit wohl eine Art „Zwilling“ zu Nr. 17, ebenfalls mit Sonnenrosen (Fächerrosetten) und Tor. Schmuck und Balkenlage haben direkten Anschluss an das Nachbarhaus, woraus man schließen kann, dass beide Häuser ursprünglich eine Einheit bilden. Auch der abgeschnittene Halbkreis von Nr. 17, der plötzlich an der Fassade von Nr. 19 endet, weist darauf hin, dass sich dieser in einer Linie seinerzeit auf der Fassade von Nr. 19 fortsetzt.
Besitzer bzw. Bewohner sind seit dem 17. Jh. ein Glasermeister, ein Sattlermeister und Ratsherr, zwei Krüger (Weinschenk, evtl. im Ratskeller), Zeugmacher Dameral (Mitglied einer später in Osterode bedeutenden Tuchfabrikantenfamilie), mehrere Schuster sowie 1797 Stadtwachtmeister Jean Louis Sanchee aus dem französischen Languedoc, der später am Rollberg 33 wohnhaft ist (vgl. dort).
In den 1960er Jahren moderner Umbau in ein Optikerfachgeschäft (während dessen o. g. Schmuckelemente wiederentdeckt wurden); zugleich entstehen moderne Wohneinheiten. Weitere Modernisierung seit den 1980er Jahren. Mittlerweile Leerstand der Ladenfläche. Der mittelalterliche Keller wurde beim Umbau verfüllt; der Dachboden zieht sich nach wie vor über beide Haushälften.