Lohstraße 12 – Konzeptimmobilie

Die Putzfassade des Hauses lässt nicht auf den ersten Blick erkennen, dass das Gebäude ein Fachwerkhaus ist. Erst bei näherer Betrachtung erkennt man am Rissbild des Putzes und vor allem am freiliegenden Fachwerk im Erdgeschoss, dass es sich doch um eine Fachwerkhaus handelt.

In der Zeit des ausgehenden Barock Ende des 18. Jahrhunderts und im folgenden Klassizismus mochte man Sichtfachwerk nicht mehr, die „Steinstadt“ war Vorbild, war sie doch Symbol dafür, steinreich zu sein. So prägten verputzte Fassaden über fast 2 Jahrhunderte das Erscheinungsbild nicht nur der Stadt Hann. Münden. Ab den 1920er Jahren als Folge des Baustils „Historismus“ und des entstehenden „Heimatstils“ wurden Fachwerkhäuser wieder freigelegt, ihren Höhepunkt hatte diese Bewegung in den 1960er bis in die 1980er Jahren. In Hann. Münden wurden in dieser Zeit über 300 Fachwerkhäuser von Verputz und Behang befreit. Leider fielen dieser „Fachwerk-Freilegungsorgie“ auch viele klassizistisch überformte Fachwerkfassaden zum Opfer, deren Verlust von der Denkmalpflege heute beklagt wird. Im Stadtbild zeigt sich hier und da ein Torso von umgebauten Fachwerkfassaden, die niemals als Sichtfachwerkfassade geplant und gedacht waren.

Das Haus Lohstraße 11 ist eines der letzten erhaltenen verputzten Fachwerkhäuser dieser Bauära. Im Kern ist es wohl ein frühbarockes Fachwerkhaus aus der 1. Hälfte des 17. Jahrhunderts. Um 1800 wurde das Gebäude aufgestockt (um 1 Vollgeschoß erhöht und mit einem neuen Dachstuhl versehen) sowie hofseitig erweitert. Zahlreiche Bauteile der alten Fassade wurden in Zweitverwendung wieder als Sichtfachwerk im Hof eingebaut.

Das Gebäude ist im Fachwerk-Fünfeck Konzeptimmobilie der Stadt Hann. Münden. Konzeptimmobilie bedeutet, dass das Haus mit Vorbildcharakter für die übrigen 5eck Städte saniert werden soll. Es ist geplant, dass das klassizistisch verputzte Fachwerkhaus zum Energie-Musterhaus im Fachwerk5eck wird. Energieberatung auf allen Gebieten im Erdgeschoss mit Musterbeispielen gebauter Fachwerkkonstruktionen und angemessener Haustechnik. In den Obergeschossen entstehen Wohnungen nach Standard des KfW-Programms „Effizienzhaus Denkmal“. Nach Sanierung wird das Haus nach wie vor seine restaurierte und teilweise rekonstruierte klassizistische Fassade behalten. Im unsanierten Zustand wird das Gebäude nur zur DKKD 2017 zu sehen sein.