Midori Tanabe

Malerei auf Stoff. Diese Bilder haben weder Titel noch erkennbare Motive.
Wir bekommen Nachrichten im Minutentakt. Wir sortieren Freund (ich will glauben) und Feind (Fake News) intuitiv, dann sollen wir sekundenschnell darauf reagieren. Wer mit diesem Tempo nicht mitkommen kann, ist ein Verlierer. Für manche Leute ist das Verstehen eines Bildes und etwas über die Intention des Künstlers zu wissen das Gleiche. Mit der Hilfe des Titels oder des erkennbaren Abbildes wollen sie ihre intellektuelle Befriedigung prompt hinter sich bringen.
Vor einem Bild dürfen wir stehenbleiben. Woran wir uns dort erinnern, und wie wir darauf reagieren, veranschaulichen unsere individuellen Wahrheiten. Die individuellen Wahrheiten sind keine bloßen Fantasien, sondern sie bilden einen Boden, auf dem wir stehen und aus dem wir in der Wirklichkeit agieren. Im Lauf der Zeit kann eine Wahrheit eines Menschen sich ändern. Auch eine unerfreuliche Denkweise an sich ist kein „Fake“.
Was wertvoll ist, ist nicht das, was auf ein Bild dargestellt wurde, sondern das, was durch ein Bild in jemandem hervorgerufen wird. Ich biete weder ein Rätselspiel noch eine Aufforderung zur Meditation an. Genießen Sie einen kleinen Moment, in den Sie einfach stehenbleiben.

Ein Festival hat eine gewisse Attraktion. Eine Ausstellung in Fachwerkhäuser hat einen gewissen Charme. Gleichzeitig ist sie eine Herausforderung. Eine Herausforderung hat einen gewissen Reiz.

in Tokyo geboren
1986-89 Büroangestellte
Entschluss zum Studium in Deutschland
1991-97 Studium an der staatl. Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Prof. Paul Uwe Dreyer
1997-99 Aufbaustudium an der staatl. Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart bei Prof. Dreyer
Seit 2000 Freischaffende Malerin